Verstaatlichte Industrie erstmals im historischen Aufriss verfügbar
Im Rahmen eines Forschungsprojektes, das die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) und das Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte unserer Fakultät seit drei Jahren gemeinsam betreiben, ist erstmals ein kompletter Überblick über alle Unternehmen, an denen die Republik beteiligt gewesen ist, online verfügbar. Insgesamt sind im Beteiligungsspiegel mehr als 1.000 Unternehmen abgebildet.
Das Team rund um die Historiker Clemens Jobst, Peter Eigner und Michael Hödl haben im Rahmen der wirtschaftshistorischen Aufarbeitung der Geschichte der verstaatlichten Industrie nicht nur eine systematische Erschließung zentraler Bestände in verschiedenen Archiven vorgenommen, sondern auch begonnen, erste Ergebnisse öffentlich zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang wurden die Daten aller Beteiligungen der Republik online gestellt und können im Zeitstrahl aufgerufen werden verstaatlichte.univie.ac.at.
„Wir haben damit einen ersten und wichtigen Schritt getan, um weiter intensiv über die Geschichte der Verstaatlichten zu forschen, die eine Schlüsselrolle in der Wirtschaftsgeschichte der Zweiten Republik spielte“, so Michael Hödl von der Universität Wien.
„Im nächsten Jahr jähren sich die Verabschiedung des zweiten Verstaatlichtengesetzes zum 80. Mal und die Gründung der Österreichischen Industrieverwaltungsgesellschaft zum 60 Mal. Wir als ÖBAG sehen unsere Verantwortung nicht nur in der Wahrung der heimischen Interessen in den Beteiligungen, sondern auch in einer wissenschaftlich fundierten Aufarbeitung der Geschichte“, so Edith Hlawati, CEO der ÖBAG über die Kooperation mit der Universität Wien.
Im Rahmen der von 2024 bis 2028 laufenden Kooperation geht es generell um eine umfassende quellenbasierte Aufarbeitung der Geschichte der verstaatlichten Industrie, von der Genese des Verstaatlichungsgesetzes 1946 über die Entwicklung und Funktion der staatlichen Steuerungsebenen bis hin zur personellen Entwicklung und der Rolle des Proporz-Systems. Das Historiker*innenteam kann dabei auf neu zugängliche Archivbestände der zentralen Entscheidungsorgane im österreichischen Staatsarchiv zugreifen, um bestehende Thesen zu überprüfen und neue Forschungsfragen zu entwickeln. Weiters sollen die österreichischen Entwicklungen in den europäischen Kontext von Verstaatlichung, Privatisierung und moderner staatlicher Industriepolitik historisch eingeordnet werden.
Rückfragehinweis:
Michael Mauritz - Head of Corporate and Capital Markets Communications
+43 1 71114-203 | +43 664 81 805 62
michael.mauritz(at)oebag.gv.at
Theresa Bittermann
Media Relations, Universität Wien
presse(at)univie.ac.at